Last updated: 05.11.2002; 13:09:47

thomas n. burg | randgänge
journal zu new media (neue medien, multimedia) ausbildung, weblogs, online social networks, communities, content, knowledge management, online publishing und software tools

Microcontent Management Systeme - Weblogs als Business Anwendung

Was ist ein Weblog?

Mitten in den Boom und dann die Konsolidierung am Content Management System (CMS) Markt fällt eine neue Spielart von Web-Publishing. Kleiner, bescheidener, aber nichtsdestotrotz mit einem gewaltigen Esprit. Aus den USA kommend hat sich mittlerweile auch in Europa und in Österreich eine aktive Szene entwickelt, deren Protagonisten sich (We)blogger nennen. Es handelt sich dabei um ein Web-Publishing Tool und einen Publikationsstil, der in die Urzeiten des Web zurückgeht und seit etwa 1 1/2 Jahren richtig an Fahrt gewinnt. Neben der Verwendung und der Entwicklung in der Early-Adopter-Szene und dem privaten, nicht-kommerziellem Einsatz, entwickelt sich Weblogging letzthin zudem als eine probate Business-Lösung. Ein Weblog ist im wesentlichen eine Webseite, die aus mehreren Einträgen bzw. Informationseinheiten pro Seite besteht. Diese Einträge sind chronologisch geordnet, der aktuellste Eintrag steht ganz oben. Ein umgekehrtes Tage- oder eben Logbuch. Faßt man die Definition etwas weiter, dann sind Hyperlinks innerhalb der Einträge ebenfalls ein Charakteristikum. Jedenfalls ein essentielles Merkmal ist das regelmäßige Publishing neuer Einträge. Ein Weblog bzw. das dahinterstehende Tool ist ein Personal Publishing System, das eine Trennung von Form und Inhalt zur Grundlage hat. In der Regel wird der Content (Text, Bild etc.) in einer Datenbank abgelegt und im Wege des Publishingsprozesses mit einem Template (einer Layout-Vorlage) verknüpft. Damit sind technische Barrieren für den Betreiber weitgehend gelöst, weil nicht sichtbar. Das sind die technischen Gemeinsamkeiten mit einem CMS. Das Publizieren von Inhalten ist damit auf einfache und schnelle Weise dem Einzelnen verfügbar, im Business-Bereich ergeben sich daraus nun mehrere Einsatzmöglichkeiten.

Geschichte

Tim Berners-Lee der Erfinder des Web war in den frühen 90er Jahren gleichzeitig der erste (We)blogger indem ein eine stets aktuelle Liste existierender Websites betrieb. Letzlich ist Yahoo ebenso eine Vorform des Weblogs. Abgesehen von diesen Vorläufern setzt man den Beginn des Webloggings allgemein mit 1997 an. Besonders erwähnenswert sind hier die Weblogs von Dave Winer (http://www.scripting.com), John Barger (http://www.robotwisdom.com), Wortschöpfer des Terminus' Weblog, und Cameron Barret (http://www.camworld.com). Bis 1999 gab es ca. 30 Weblogs. Das änderte sich dramatisch als ab 1999 Software zur Verfügung stand, die die tägliche Aktualisierung einer Website massiv vereinfachte also quasi Mini-Content-Management-Systeme zur Verfügung standen. Erste Produkte sind Blogger, Pitas, Manila - im wesentlichen serverbasierte CMS. Aus Österreich kommt Antville (http://www.antville.org) ein sehr innovatives Tool -  ein Spinoff von Helma.at, dem CMS, das orf.at verwendet. Der vorerst letzte Popularisierungsschub erfolgte um den 11. September 2001 im Gefolge der Terrorattacken auf das World Trade Center in New York. Schneller, persönlicher, unverblümter berichtetn Weblogger minütlich über das Geschehen vorort und waren damit schneller als die großen Medien, deren Server zudem noch durch die hohe Anzahl von Aufrufen nicht verfügbar waren. Die dezentrale Struktur von Weblog-Netzwerken, das Verweisen auf Berichte anderer Weblogs verteilte die Zugriffsfrequenzen und garantierte so Verfügbarkeit und Aktualität. Mit der weiteren Reifung der Software-Entwicklung allen voran der Produkte Moveabletype sowie Radio Userland enstanden allmählich erste Überlegungen Business-Anwendungen zu konzipieren. Weblogs werden zunehmend als eine Alternative zu teuren und hochkomplexen CMS, sowie als PR-Tool, als simples Knowledge-Management Tool, als Reporting-Tool sowie im Projektmanagement gesehen.

Business-Logs

Was lässt sich aus einem Personal Publishing System im Business-Kontext machen? Außer Acht möchte ich in diesem Zusammenhang den Einsatz von Weblogs im journalistischen Bereich lassen, dort etabliert sich ein komplementäres Outlet zu bestehenden Publikationskanälen. Bedeutsame Möglichkeiten ergeben sich im betrieblichen Zusammenhang. Gleich vorweg bleibt festzuhalten, die wichtigsten Rahmenbedingungen sind, dass die Betreiber grundsätzlich schreiben können sowie motiviert sind es zu tun, also Bedingungen, die im allgemeinen Management-Bereich liegen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einer internen Verwendnung in einem Intra/allenfalls Extranet und jener im Internet.

Intranet

Viele Unternehmen haben ein Intranet, viele können sich keines leisten, manche wissen auch gar nicht, wozu es Sinn machen würde. Weblogsysteme sind die einfachste und billigste und meiner Meinung nach sinnvollste Form ein Intranet aufzubauen. Ab einer Größenordnung von 2 Mitarbeitern macht das Sinn. Im folgenden einige Verwendungsmöglichkeiten.

K-Log

Der Knowledge-Log. Darunter versteht man ein simples Wissensmanagement-Tool, welches personen- und/oder arbeitsgruppenbezogen Wissen und Erfahrungen erfaßt und im Intranet publiziert. Experten (Sachbearbeiter) auf verschiedensten Gebieten können auf diese Weise ihre tägliche Wertschöpfung kommunizieren, sich damit eine firmeninterne Reputation verschaffen; zudem bleibt das Wissen erhalten. Die Eigenart eines Weblogs kontextualisiert in der Regel Information, damit fließt implizites Wissen in Archive ein. Die Tatsache, dass Informationen nicht mehr in Email-Programmen, Netzlaufwerken oder persönlichen Bookmarklisten verschwinden, sondern personen- und datumsbezogen erschließbar sind, erhöht auf einfache Weise die Präsenz von Wissen und reduziert gleichzeitig die Anforderungen an die EDV-Ressourcen. Zudem fördert es den Wettbewerb innerhalb einer Organisation insofern als Weblogsysteme darstellen können, wer wie oft Informationen postet sowie wer am meisten gelesen wird.

Berichtswesen

Als eine Form des Wissensmanagement gilt das Berichtswesen. Ein Weblog kann hier als Publikationsfläche dienen bzw. als eine Informationszentrale von der aus die Berichte und Dokumente verlinkt sind, egal ob im LAN oder WAN.

Projektmanagement

Im Projektmanagement wird eine Weblog zur Projektzentrale. Alle Informationen (ob Email, Dokumente, Grafiken) können zentral ins Intranet publiziert werden. Bei Bedarf kann für den Kunden ein Auszug daraus via Internet zur Verfügung gestellt werden, auf diese Weise ist eine Projektverfolgung ohne Email möglich.

Management

Die Geschäftsführung kann auf diese Weise sowohl Leadership demonstrieren als auch intern das Unternehmen einfach am Laufenden halten. Interne Rundschreiben aus der Geschäftsführung etc. lassen sich auf diesem Weg effizient publizieren. Chronologisch und bereichsmäßig sortiert mit einem Archiv und einer Suchfunktion. Abhängig vom jeweiligen Führungsstil ergeben sich darüberhinaus Möglichkeiten Weblogs als kollaborative Tools einzusetzen.

Firmen-Community

Mittels eines Community-Servers lassen sie die Aktivtäten aller Weblogs innerhalb eines Intrantes darstellen. Auf diesem Weg ensteht eine Community auf der Basis von Relevanz und Aktualität. Wer wird am häufigesten gelesen, wer schreibt am häufigesten? Welcher Business-Log ist am meisten abonniert? Mittels XML-Standards und RSS-Feeds läßt sich das einfach darstellen.
Wendet man dieses Konzept im Internet auf gesamte Branchen an, so kann man eine Branche darstellen, die ähnlich dem Google-Prinzip  - d.h. nach Popularität - organisiert.

Internet

PR-Log

Als ein Marketing-Instrument kann ein Weblog als eigene Website bestehen. Dann hat er in der Regel die Aufgabe ein Produkt oder eine Dienstleistung zu kommunizieren. D.h. der Kontakt zu Kunden und Partnern wird über täglich aktualisierte Einträge hergestellt. Dabei kann es sich um Updates zu Funktionalitäten, Neuentwicklungen etc. handeln. Der wesentliche Neuigkeitswert besteht in der regelmäßigen Aktualisierung und in dem salopperen Ton, in dem diese Einträge in der Regel gehalten werden. Im Gegensatz zu einer foren-basierten Community liegt hier die Kontrolle beim Unternehmen, bei Bedarf können allerdings Zweiweg-Kontaktmöglichkeiten bereitgestellt werden. Ein PR-Log ist ein maßgeschneidertes Portal mit Ausrichtung auf Kommunikation in Richtung der Kunden. Ein Beispiel hierfür ist "mesh on MX" http://radio.weblogs.com/0106797/ ein Weblog, der "News, resources, info and links on Macromedia MX, with a focus on Macromedia Flash MX from the Macromedia Flash Community Manager" bereithält.

Weblog auf Firmenwebsite

Im Bereich einer bereits existierenden Firmenwebsite bietet sich die Einrichtung eines PR-Logs ebenfalls an. Im wesentlichen nur die Weiterführung einer "Was gibt es Neues?-Seite".

Geschäftsführung

Eine neue Entwicklung könnte das Betreiben eines Weblogs durch die Geschäftsführung sein. In diesem Fall ist das Ziel die strategischen Positionen nach außen zu kommunizieren.

Politik

Auch die Politik hat das Weblog-Prinzip erkannt. Auf spontane und weniger formale Art können Positionen und Konzepte veröffentlicht werden.

Beispiele: Verwendung als Content Management System

Abschließend bleibt noch festzuhalten, dass mittels einer Weblogsoftware jedes noch so kleine Unternehmen eine Website nach letztem Standard betreiben kann. Da zwischen server- bzw. desktopbasierten Varianten gewählt werden kann, ist auch hier eine hohe Flexibilität gegeben. Der Investitonsaufwand bzgl. Software beginnt bei 0 Euro. Inklusive Consulting, Design und Hosting lassen sich individuell angepasste CMS-basierte Seiten ab einer Größenordung von 1000 Euro aufwärts betreiben.

Fazit:
Weblogs sind ein Kommunikationsstil und eine Softwarelösung, die am Weg zur Business-Anwendung stehen und dort mit hohem Effizienzgrad zur Produktivitätssteigerung sowie zum Customer und Investor Relations Service beitragen.

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