mediatope

 Donnerstag, 18. Dezember 2003
"In ihren besten Momenten sind diese Bilder bodenlos."

...sagt Claudius Seidl in der von Martin angesprochenen LOTR-Rezension in der faz, und meint das nicht nur im wörtlich-perspektivischen, sondern auch im übertragenen Sinn (und auch nicht ausschließlich bezogen auf LOTR, sondern auch auf Matrix, und auf "das digitale Kino" (Seidl) überhaupt).

Und das hier wiederum sagt Oliver Jahraus in den Medienobservationen zum Thema "We got him":

Vielleicht war es technisch nicht anders möglich, vielleicht gehörte es zur Inszenierung. Der Zoom auf das Videobild im Saal der Pressekonferenz. Es wird nicht auf das Videobild übergeblendet, sondern nur darauf zugezoomt, so dass das Videobild fast, aber eben nur fast den gesamten Fernsehbildschirm ausfüllt. Man sieht nicht nur das Videobild. Immer noch sieht man auch, dass man ein Videobild sieht - und zwar dasjenige, das die Journalisten eben auch sehen. Wir sehen, wie Journalisten sehen, wie ein Arzt 'ihn’ sieht.

Coincidence? I think not.

/mf


Be Prepared: Go Nuts

Als Nachtrag zur WIPP-Ballardeske: mit der medialen Vermittelbarkeit von Katastrophenszenarien und dem Verhalten in selbigen beschäftigt sich auch die Seite des Homeland Security Department -- die ultimative Informationsquelle für alle, die immer noch nicht völlig paranoid sind:

For Americans, preparedness must now account for man-made disasters as well as natural ones. Knowing what to do during an emergency is an important part of being prepared and may make all the difference when seconds count.

Wertvolles Wissen für alle katastrophischen Lebenslagen: if there is a biological threat, if there is a chemical threat, if there is an explosion, if there is fire, if you are trapped in debris, if there is a nuclear blast, if there is a radiation threat or a "Dirty Bomb".

[ via norelevance via metal machine music ]

Wieder auffallend, wie schon beim WIPP-Report: schwer zu sagen, was unangenehmer ist: die Thematik oder die Bildsprache.

/mf

P.S.: wem das hier alles langsam zu grenzfurthneresk wird: ich verspreche, das ist (für heute) das letzte off-topic posting.


wot is: polylogic computing??

nicht-rhetorische und unironische frage: kann mir jemand erklären, was das "polylogic computing" des israelischen informatikers erez elul ist, auf welchen philosophisch-logischen grundlagen das aufbaut, wie es sich zur "semantic web"-idee verhält (mit der es offenbar direkt nichts zu tun hat) und was davon zu halten ist?

die macher | das konzept

/ml


Nerd-Culture: Lord of the Rings / Matrix / Macintosh

rezension des LOTR-films vom veteranen der postmodernen neo-cineasten claudius seidl, der mir das wesentliche zusammenzufassen scheint: dass es in diesem film (und auf andere weise auch im buch) eigentlich um die welt geht, die hier in bildern beschworen wird, und nicht um die "geschichte" und die "charaktere". die figuren bestehen wiederum nur aus den bildern: die schauspieler halten ihre exzellent gestalteten gesichter in die kamera. das reicht, und das ist viel.

der fehler dieses kinos ist, dass es gleichzeitig doch noch irgendwie "narrativ" sein und "spannung" produzieren möchte.

[ mehr ]

/ml


Ballardeske #2: Semiotik der Kennzeichnung von Uranmüll-Deponien

Ein bisschen off-topic, aber zumindest ein interessantes semiotisches Problem: wie vermittelt man eine Botschaft, die auch in 10.000 Jahren noch verstanden wird?

Seit März 1999 ist in einer Wüste in New Mexico die Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) in Betrieb, ein Depot zur Lagerung von Uranmüll, der aus der Forschung an und der Produktion von nuklearen Waffen entsteht.

Dazu gab es im Vorfeld einen Bericht über die semiotischen Möglichkeiten der Kennzeichnung eines solchen Gebiets:

Kathleen M. Trauth, Stephen C. Hora und Robert V. Guzowski: "Expert Judgement on Markers to Deter Inadvertent Human Intrusion into the Waste Isolation Pilot Plant", Sandia Report, SAND92-1382. UC-721, November 1993.

[ mehr ]

/mf


Ballardeske #1: Raking Muck in "The Sims"

[ via metal machine music ]: Artikel auf salon über den Alphaville Herald, ein reales Weblog, das über virtuelle Prostitution, virtuelle Mafia-Strukturen, virtuelle Schattenregierungen u.Ä. in der Sims-Welt berichtet(e) - und sich damit Zensurhandlungen durch EA in der realen Welt ausgesetzt fand.

Das erninnert mich vom Prinzip her an einen Bekannten, der auf ebay virtuelles Ultima-Geld in reales Geld transferiert.

Solche Vorgänge an der Schnittstelle von Virtualität und Realität haben, wie metal machine music korrekt bemerkt, etwas ziemlich ballardeskes an sich.

/mf (Blogging)


 Dienstag, 16. Dezember 2003
1984.mov: Ridley Scotts Mac-Clip hat Geburtstag

Today, we celebrate the first glorious anniversary of the Information Purification Directives. We have created, for the first time in all history, a garden of pure ideology. Where each worker may bloom secure from the pests of contradictory and confusing truths. Our Unification of Thoughts is more powerful a weapon than any fleet or army on earth. We are one people, with one will, one resolve, one cause. Our enemies shall talk themselves to death and we will bury them with their own confusion. We shall prevail!

Die erste Macintosh-Fernsehwerbung wurde vor 20 Jahren am 15.12.1983 ausgestrahlt [ dl link ]. Regie: Ridley Scott (merkt man). Laut heise sind die Arbeiter-Drones echte Londoner Skins, die sich Scott eigens von der Straße geholt haben soll. Die im Video zu sehende souverän mit dem Vorschlaghammer argumentierende Uroma von Ellen Feiss ist die Model-Schauspielerin-Diskuswerferin Anya Major.

[ via internetz ml ]

/mf (Medienarchäologie, TV)


C64 Nostalgia Galore: Retro-Cracktro-Flashtros von Doc Snyder

[ via argh! ] Fantastische Sammlung von Flash-recodeten C64-Cracktros von Doc Snyder (der auch sonst tonnenweise 64er-Material auf seiner Seite hat). Look&Feel ist ohne Übertreibung perfekt. Whobble Scrolls, bounce scrolls, multi-way colorscroll bars. Kein Bildschirmrand! Quasi-vierspurige Sounds!!!

Beim Namen Doc Snyder klingelt was... war der dabei in der 64er-Szene?

Abgesehen vom Eagle Soft-Intro, das wohl jeder in den Mittsiebzigern geborene Gymnasiast kennt, hat bei mir vor allem das alte TRIAD-Intro Nostalgieschübe ausgelöst (der fette stehende Flanger-Bass, der im Fernseher immer übersteuert hat -- ein Ripoff davon haben wir damals für unser eigenes präpotentes Crack-Intro verwendet. (Scrolltext u.A.: "...brought to you by the totally awful MAfIA..." -- ein um einige Jahre älterer Gymnasiast hat mir dann den Unterschied zwischen "awful" und "awesome" erklärt.)

Besonders gut erinnern kann ich mich auch an das alte FAIRLIGHT-Intro, an dem ich damals einfach alles besch... gefunden habe: die rot-weiß-roten Nudelbalken, die Tagline ("Kill a commie for mommy"), zuviel attack auf dem bass, zuviel delay auf der melodielinie. Wie sich zeigt, gewinnt das Intro mit den Jahren. Massiv.

Aus gegebenem Anlass: ein Rob Hubbard-Schrein mit Demosammlungen.

/mf (Medienarchäologie, Misc./Fun)


 Montag, 15. Dezember 2003
Johnson über Cognitive Offloading

Externalismus greift Platz -- nicht nur bei den Erkenntnistheoretikern und den CogSci-Leuten.

Steven Johnson über die Dialektik von Brain Drains und Brain Gains in und aus medialen Apparaten: "Offloading Your Memories" [ NYT Mag via metal machine music ]. Dabei wird wieder mal deutlich: brenzlig ist die Sache ja gar nicht so sehr in erkenntnistheoretischer, sondern vor allem in sozialphilosophischer Hinsicht -- die bürgerliche Kategorie "Privatheit" wird nicht nur von außen her ständig angeschremmt, sondern ist auch vom Kollaps von innen her bedroht: "We have met Big Brother, and he is us" (Johnson, a.a.O.).

Der privacy-Begriff wird in den nächsten Jahren noch Einiges mitmachen müssen.

/mf (Informationsethik)


 Sonntag, 14. Dezember 2003
just for the record

nachdem erratika bereits die poetischste stelle aus italo calvinos zapping-story in der sz herausgeschnitten hat (die im übrigen vor 1985 entstanden sein muss), hier die zweite single-auskopplung, damit ich sie in meinem externalisierten blog-memory behalte:

Ich bin überzeugt, daß es in den Geschehnissen der Welt einen Sinn gibt, dass eine kohärente und motivierte, in ihrer ganzen Serie von Ursachen und Wirkungen erklärbare Geschichte in diesem Augenblick irgendwo abläuft, nicht unerreichbar für unsere Möglichkeiten der Verifizierung, und daß sie den Schlüssel zum Beurteilen und Verstehen alles übrigen enthält. Diese Überzeugung ist es, die mich wie festgenagelt vor dem Fernseher sitzen lässt ...

die story ist hier (sz-link, funktioniert aber nur kurze zeit.)

und übrigens: über das nerd-phänomen sollte man, von markus' guardian-artikel aus, wirklich noch weiter nachdenken ... (bin ich ein nerd? bzw. war ich einer avant la lettre?)

/ml (TV)


 Samstag, 13. Dezember 2003
ENDLICH: Zeit syndicated

Die Zeit bietet endlich rss-Newsfeeds an. Es wird, es wird.

/mf


J'accuse

Na wunderbar -- eine Nominierung zum Blogaward des Blogwarts haben wir seit gestern auch. Wer in Gottes Namen? Und: für welche Kategorie denn?

J'accuse (lies: ich unterstelle):

  1. Täterin: Barbara H. Vorgeschlagen hat sie uns für
  2. Kategorie 3 / WTF-Preis

So ist das also. Das war ja klar.

/mf


 Freitag, 12. Dezember 2003
Mainstreaming Alternative-Mainstream Nerddom via Reverse-Marketing

Xan Brooks: interessanter Artikel im Guardian: über die Etablierung von Geek- und Nerddom als Mainstream -- über die Baby-Boomers, Comic-Verfilmungen, Sci-Fi-Epen, B-Movies und mehr.

Die erste Hälfte des Essays ist sehr schlau geschrieben und genau gedacht. Bemerkung am Rande: eine lang gehegte Vermutung von mir wird indirekt bestätigt. Prognose: in spätestens fünf Jahren hat jedes kulturwissenschaftlich arbeitende, etwas auf sich haltende akademische Institut eine Gaming-Studies-Abteilung.

Dann kommt der biographisch gefärbte Teil des Essays -- und damit der inhaltliche Kollaps. Damit nämlich die grob fahrlässige Fehleinschätzung von (1) Jacksons Absichten mit LOTR, (2) dem Stoff, den er damit bearbeitet -- und was der heute bedeutet.

Konkret:

(1) Der Film LOTR soll weder eine Nerd Culture-Geschichte noch eine mainstream-gerechte Adaption derselben sein. Verwerflicherweise ist LOTR dem Selbstverständnis nach die angeblich zeitlose Umsetzung einer angeblich zeitlos erzählten Geschichte. Kein weiterer Kommentar dazu.

(2) Brooks verwechselt, wie viele andere auch, banalen, vulgären, reaktionären, durch und durch einfach auch überhaupt nicht sympathischen -- kurz: von Grund auf schlechten Neobiedermeier an der Schnittstelle zur ein Jahrzent zu spät einherschlurfenden Neuauflage des "Neuen Heidentums" einerseits mit genuinen Pop-(Rezipienten-)Subkulturen andererseits. Erschwerend hinzukommend im Sinne der Anklage: Brooks' apologetische Konstruktion von LOTR als im Sinne der cultural und gender studies zwischengeschlechtlich brückenschlagendes kulturelles Phänomen. Die angebotene Erklärung: kidultism und adultescentism -- hässliche (aber dafür umso neuere!) Marketing-Schlagwörter für das bekannte Phänomen der "prolongierten Adoleszenz". So geht's nicht: das ist Neon-Niveau.

/mf (Pop)


semantic cloud: wolken am begriffshimmel

ich habe jetzt endlich den - schönen - weinrich-text gelesen, auf den markus hingewiesen hat. (allerdings habe ich dort keine metapherntheorie gefunden?)

was mir natürlich gefallen hat, war der hinweis auf das "reich der bedeutungen", das jede "sprachgemeinschaft" unwillkürlich ausbildet. weinrich zitiert nietzsches "begriffshimmel", und wie immer sollte man das original lesen:

Wie die Römer und Etrusker sich den Himmel durch starre mathematische Linien zerschnitten und in einen solchermaassen abgegrenzten Raum als in ein templum einen Gott bannten, so hat jedes Volk über sich einen solchen mathematisch zertheilten Begriffshimmel und versteht nun unter der Forderung der Wahrheit, dass jeder Begriffsgott nur in seiner Sphäre gesucht werde. Man darf hier den Menschen wohl bewundern als ein gewaltiges Baugenie, dem auf beweglichen Fundamenten und gleichsam auf fliessendem Wasser das Aufthürmen eines unendlich complicirten Begriffsdomes gelingt; freilich, um auf solchen Fundamenten Halt zu finden, muss es ein Bau, wie aus Spinnefäden sein, so zart, um von der Welle mit fortgetragen, so fest, um nicht von jedem Winde auseinander geblasen zu werden. Als Baugenie erhebt sich solcher Maassen der Mensch weit über die Biene: diese baut aus Wachs, das sie aus der Natur zusammenholt, er aus dem weit zarteren Stoffe der Begriffe, die er erst aus sich fabriciren muss. (über wahrheit und lüge im außermoralischen sinn [ link ])

wie verhält sich nun so ein dom zu einem blog? und wie verhält sich der "mathematische" begriffshimmel zur "semantic cloud", die sich zusmmaneballt aus dem semantischen dampf, der unwillkürlich über den gebrauchten zeichen zusammenballt und für die dauer ihrer existenz dann den viel flüchtigeren, viel verschwommeneren horizont für weiteren zeichengebrauch bildet (und von diesem verstärkt oder zerstreut, jedenfalls transformiert wird)?

und sind die blogger nicht kleine emsige staatenbildende / communitybildende insekten: manche bienen, manche termiten, manche bloß ameisen? mit "dung beetles" in der quasibiologischen "blogosphere" wurden sie ja bereits verglichen.

/ml (Blogging)


Frontier/Manila: kurze Anmerkungen

Was ich an Manila nicht mag:

  • Manila ist proprietär und kostet. Lizenz für Frontier: USD 899, sogar die Academic License kostet USD 299. Das sehe ich nicht ein, ganz unabhängig davon, ob die Mittel dazu da wären oder nicht (was sie ja eh nicht sind)
  • Manila hat, soweit ich weiß, eine eigene komische Datenbank. Das muss nicht sein.
  • Manila gibt's nicht für Linux. Das seh ich auch nicht ein.
  • Außer Konkurrenz (weil das weniger Manila, sehr wohl aber Winer-Produkte im Allgemeinen betrifft): die bisherigen Erfahrungen im Desktop-Testbetrieb mit Userland:
    • Templates: crap (sowohl ästhetisch wie auch technisch; validier mal eine x-beliebige Userland-Seite)
    • Makros: crap (s.o.)
    • Die Verzeichnisstruktur (betrifft Kategorien) ist sehr sensibel. Wenn es Synchronisierungsprobleme mit dem Server gibt (und die gibt es oft) zerbröseln leicht Strukturen. Verdoppelungen, Verluste.
    • Userland hat mich gelehrt, dass es unter XP sehr wohl recht häufig zu Blue Screens kommt
  • Dave Winer
  • Dave Winer

Demgegenüber Movable Type (oder auch antville):

  • open source bzw. free
  • vernünftige Datenbank im Rücken (MySQL, aber auch Alternativen möglich, in beiden Fällen)
  • kein Dave Winer
  • kein Dave Winer

Es gäbe da noch mehr zu sagen, aber das wär's mal fürs Erste.

/mf

(Sorry, wenn das cranky klingt -- hab Zahnweh)


Fiedler über Manila & MT?

Hi Martin,

ich kann die Fiedler-Diskussion MovableType vs. Manila nicht finden - ein Link wäre eine feine Sache. Kannst du den reproduzieren?

Ich möchte die von dir angesprochene Diskussion erst lesen, bevor ich hier eine große Grundsatzdebatte anzettle -- derweil nur so viel: es gibt aus meiner Sicht sehr viele sehr triftige Gründe, die gegen Frontier/Manila sprechen (auch wenn Peter Baumgartner Manila fährt). Userland (unsere Testseite hier) ist übrigens Winers Hosting-Service.

/mf


semantic edu-blogging

für die diejenigen unter uns (hallo theo!), die sich für edu-blogs interessieren, gibt es diese zentrale meta-ressourcen-blog-community, eigentlich 95% angelsächsisch, aber koordiniert von sebastian fiedler, medienpädagogik-doktorand in augsburg, nebenbei bekennender konstruktivist.

fiedler diskutiert auch die vorteile von frontier/manila (seine plattform) gegenüber movable type (für edu-blogs). any comments? und von da bin ich, über die zwischenstation florida state university, auf das meta-blog über "semantic blogging" von hewlett packard-leuten gestoßen: da scheint einiges an material vernetzt zu sein, das auch in mediatope gelandet ist.

/ml (Blogging, Materialsammlung)


Release: Morphix-NLP 1.0

Das ist zwar ein bisschen off-topic (noch: vielleicht entwickelt sich auf unserer Seite ja auch noch eine kleine Humanities Computing- oder Computerphilologie-Abteilung) -- aber jedenfalls so extrem cool, dass ich es hier aufheben muss: Morphix-NLP, eine knoppix-basierte Linux Live-CD, vollgestopft mit 640+ MB NLP-Analyse- und -Verarbeitungs-Tools, zusammengestellt von Zhang Le. [ via /. ]

Links: Ausführliche Besprechung, Grundsätzliches über Linux und NLP.

/mf (Materialsammlung, urgent downloads)


WSIS: Social-Engineering-Aktivisten zeigen Security- und Privacy-Probleme auf

Einer Gruppe von Aktivisten ist es gelungen, sich in geschlossene WSIS-Meetings einzuschmuggeln. Dabei geht es nicht nur darum, dass es möglich war, das Sicherheitssystem zu umgehen; wie sich herausstellte, sind die Ausweiskarten der Teilnehmer RFID-getagged. Da die Profile der Teilnehmer nicht auf einem Chip auf der Karte, sondern zentral in einer Datenbank gespeichert werden, liegen damit implizit Bewegungs- und Kontaktmuster des ganzen Gipfels vor. Kritisiert wird vor allem, dass das System ohne diesbezügliche Informationen oder gar Diskussionen eingeführt wurde. [ via /. ]

P.S.: HIGHNOON is go!

/mf (Informationsethik)


 Donnerstag, 11. Dezember 2003
Night on Earth

Schöne GeoCode-Seite: the World as a Blog.

Q: Is it really real-time?
A: Nearly! Weblogs.com updates about once per minute. the geo-blog poller checks about once per minute. and flash checks in with the server about once per minute. so at worse, it's 3 minutes in the past, at best 1 minute

/mf


Materialsammlung: WikiBlog-Hybride

/mf (Materialsammlung, Blogging, Webtechnologie)


Markup Madness

Augmented Blog- & WikiTeXing bei Danny Ayers.

/mf (Webtechnologie)


Materialsammlung: Weblogs & Online Communities

Allgemein

Communities & Society

Tech

/mf (Blogging, Materialsammlung)


blogging web communities

dieser blog-raum wird ja sehr schnell sehr beängstigend groß. ich komme mit dem denken/lesen/schreiben kaum hinterher.

da ich für den innsbrucker kongress den auftrag habe, mir über blogs und communities gedanken zu machen, die ich dann hier ausprobieren werde. hier die beste wiki-ressource zu wiki-blogs, die von wikipedia-machern zu stammen scheint.

zitat zu wiki-blogs:

My interest is in online community-building. This, I think, sits right in the middle of wiki and weblog, in that they both provide a place for people to gather, and a shared enterprise for them to engage in. Both, however, fall short of the task of community-building in different circumstances and for different reasons.

das habe ich wiederum von einem allgemeineren deutschen blog, das medienthemen themen behandelt und weiter verlinkt.

/ml (Blogging)


 Mittwoch, 10. Dezember 2003
Repräsensationell

This project was created to make a visual representation of a space that is very much one-dimensional, a metaphysical universe. The data represented and collected here serves a multitude of purposes: Modeling the Internet, analyzing wasted IP space, IP space distribution, detecting the result of natural disasters, weather, war, and esthetics/art. This project is free and represents a lot of donated time, please enjoy. [ opte, via Nova Spivack ]

/mf (Webtechnologie)


Ach so ist das

Jetzt weiß ich, warum die Mainstream-Medien so tun, als hätte ein Informationsgesellschafts-Weltgipfel weder mit ihnen noch mit dem Rest der Welt irgend etwas zu tun: sie haben angesichts der sich überschlagenden Ereignisse schlicht keine Zeit dafür.

Das Schmidt-Desaster

Natürlich hat das Thema gestern abend alles überlagert, vor allem wenn Medien-Menschen zusammenkommen.

Und natürlich ist klar: das avisierte Ende der Harald Schmidt-Show ist ein Debakel, eine Katastrofe.

(Blumenau im gestrigen journal)

fm4 hat im moment vier (4!) Schmidt-Stories auf der Frontpage -- und daneben nichts außer Schrott (Kochrezept für kandierte Äpfel, Opa Ozzy hat sich weh getan, you name it). Zitat Daddy D letzte Woche: "I don't really feel like getting all pissed off 'n' political this morning, so I guess I can leave all that to others."

Und sonst: Blocher ist drin.

/mf


Kleinwächter über die WSIS-Deklaration

Die drafts der Grundsatzerklärung und des action plans vom wsis sind da (link zu word docs).

Wolfgang Kleinwächter berichtet auf telepolis vom vorläufigen Ergebnis, versucht sich eingangs in ein paar impressionistischen Fingerübungen ("Ein Beifallssturm wehte durch den Saal und aus dem altehrwürdigen Völkerbundgebäude hinaus an die Gestaden des Genfer Sees") und verirrt sich dann in einen Bumpercar-Ride zwischen Machbarkeits- und Sachzwangsrhetorik.

Dem lauwarmen Ergebnis der Verhandlungen muss apologetisch begegnet werden, und so wird denn auch die "zivilisierte Zivilgesellschaft" als Hoffnungsträgerin in die Pflicht genommen, da nun einmal "die aus dem 20. Jahrhundert stammenden Mechanismen der traditionellen Diplomatie" -- und damit die Politik -- "an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit gelangt" sind.

Das eine Wort, nach dem Kleinwächter da sucht, wäre "Rahmenordnungsethik" gewesen. Das andere "Politik". Oder vielleicht "guts".

Bei WE SEIZE herrscht übrigens seit eineinhalb Tagen Funkstille, nachdem deren Quartier polizeilich geräumt wurde.

/mf (Informationsethik)


 Dienstag, 9. Dezember 2003
Weltgipfel zur Informationsgesellschaft: Der Weg ist steil, aber lang

Die Vorbereitungen zum World Summit gehen in die Zielgerade. Christoph Seidler berichtet im gestrigen Spiegel über Verlauf und Probleme. Eine der konkreten Hauptschwierigkeiten ist Chinas Sperrung gegen einen Rekurs auf die Menschenrechte in der offiziellen Abschlusserklärung.

Ein anderes Problem ist die Unzufriedenheit von zivilgesellschaftlichen und NGO-Vertretern über die mangelnde Einbindung in die Vorbereitungen -- die Heinrich-Böll-Stiftung schrieb letzte Woche vom gescheiterten Gipfel. Dieser Vorwurf hat auch Eingang in die zivilgesellschaftliche Abschlusserklärung zum Gipfel gefunden [ word rtf, veröff. 2003-12-08. 2 von 19 Seiten (§2.2) zur Verankerung der eigenen core principles in den Menschenrechten ]. Der Vergleich zwischen den offiziellen Gipfelerklärungen und diesem sehr ökologisch gedachten Papier wird interessant sein. Exemplarische Auszüge:

We recognise that no technology is neutral with respect to its social impacts and, therefore, the possibility of having so-called  "technology-neutral" decision-making processes is a fallacy. (§1: A Visionary Society)

The UN should carry out a fundamental review of the impact on poverty and human rights of current arrangements for recognition and governance of monopolised knowledge and information, including the work of WIPO and the functioning of the TRIPS agreement. (§2.3.3.3: Software)

Das wäre dringend notwendig. Die WIPO zeichnet (World Intellectual Property Organization) u.A. verantwortlich für folgenden problematischen Beschluss: 

Computer programs are protected as literary works within the meaning of Article 2 of the Berne Convention. Such protection applies to computer programs, whatever may be the mode or form of their expression. (Artikel 4 des WIPO Copyright Treaty 1996)

Laut heise sind aus den letzten Entwürfen der offiziellen Regierungserklärungen "die Referenzen auf WIPO und Trips-Verträge herausgefallen". Immerhin.

Links:

/mf (Informationsethik, Materialsammlung)


 Montag, 8. Dezember 2003
" Die Angst ist ja da.
Zum Beispiel hat Focus jetzt ein Heft rausgebracht: 'Das Knie.' "

Dieser Satz ist der Auftakt zu einem wahrhaft fulminanten Interview-Finale von Schlingensief im letzten Falter. (Nicht mehr ganz frisch: vom letzten Mittwoch. Trotzdem.) Der Falter kann das einfach besser als profil.


Intern: Systemupdate und ein oder zwei Vorschläge

Seit gestern hat unsere (schlanker gewordene) Seite auch thematische Kategorien und einen Story-Pool (siehe rechte Navigationsleiste) -- zumindest technisch gesehen. Ich bitte alle Mitstreiter und Beta-Tester um Rückmeldungen, sowohl bezüglich der bereits eingerichteten Schwerpunkte (die sich als Diskussionsgrundlage verstehen), als auch hinsichtlich erweiternder Vorschläge. Netzliteratur ist ein fixer Kandidat. Vielleicht weniger offensichtlich, aber auch einen Gedanken wert wären Interfaces und Apparate.

Noch ein Gedanke zur Frage "Is books part of the media?" -- (What?? -- again: what???): ich glaube, ich komme langsam dahinter, was Martin meint, wenn er die Frage in dieser Form verneint bzw. zurückweist. Aber: wie steht es mit den im System Buchdruck gekoppelten sozialen und kulturellen Bedingungen und Folgen? (Im Sinne von McLuhan und Giesecke, Setting: Renaissance, Stichworte: Druckerpresse als Urmutter arbeitsteiliger Produktionstechniken; die optimierte Textproduktion und -allokation als Voraussetzung nicht nur der späteren Leihbüchereien, sondern des bürgerlichen Bildungsgedankens überhaupt, inklusive Öffentlichkeit, Presse, usw. -- das sind wohlgemerkt alles nicht die Bücher als Medien selbst, sondern die Bücher eingebettet in die medialen Voraussetzungen ihres eigenen Bestehens einerseits und in die resultierenden soziohistorischen Prozesse andererseits. Dass das gedruckte Buch auf der technischen Ebene ursprünglich lediglich versuchte, das handschriftliche Manuskript zu imitieren (nicht einmal zu perfektionieren) ist aus meiner Sicht kein Einwand dagegen, hier von einem ebenso scharfen wie massiven medienhistorischen Bruch auszugehen (und somit von zwei fundamental verschiedenen, genuinen Medien(systemen), zumal das parasitäre formale Aufsetzen "neuer" Medien auf ihre historischen Vorgänger offenbar ein fixes Durchgangsstadium für neu auftretende Medien(konstellationen) darstellt. (Behaupte ich. Ist das so?)

Wie dem auch sei -- eine systemische Kopplung (besser:Integration) im oben angedeuteten Sinn könnte man jedenfalls formal so andeuten: Buch:Druck. Analog eventuell dann auch Kino:Film (Film und Fernsehen sind zunächst einmal verschiedene medienhistorische Erscheinungen, darüber hinaus auch funktional sehr verschieden). In der Kopplung Medien:Philosophie schließlich könnte man zum Ausdruck bringen, dass man die uninteressante Philosophie-der-Medien-vs.-Medienphilosophie-Debatte für die eigenen Zwecke suspendiert, bis sich die Institution einen Reim auf ihre eigene Trägheit gemacht hat. (Übrigens: es heißt "Informationsethik", nicht "Ethik der Informationsverarbeitung" oder "Ethik in der neuen Informationsgesellschaft" oder Ähnliches. Wenig überraschend, dass die Ethiker in der Hinsicht die wachsten Vertreter der Zunft sind. Sie werden wohl als erste hinreichend erschrocken sein.) Übrigens hätte auch Netz:Literatur m.E. im skizzierten Sinn etwas für sich.

etc. etc.

Abschließend: ein About-Papier mit Infos über die konzeptuelle Ausrichtung der Seite ist in Arbeit. (Ich brüte über Martins Notizen).

/mf (intern)


 Sonntag, 7. Dezember 2003
WSIS:Hello World Project

Im Rahmen des WSIS können vom 9. bis zum 12. Dezember zu bestimmten Zeiten Nachrichten via SMS oder über das Netz versendet werden, die dann auf Laserprojektoren übertragen werden. Die versendeten Nachrichten werden auf das Air India Building in Mumbai, den Jet d'eau in Genf, die Morro dois Irmãos in Rio de Janeiro und auf das UNO-Gebäude in NY projiziert -- allerdings immer nur eine.

Online-Zeiten der Projektoren:
Mumbai: 13:30-19:30 CET
Genf: 17:00-23:00 CET
Rio de Janeiro: 22:30-04:30 CET
NY: (wird am Dienstag bekannt gegeben)

[ helloworld via dienstraum ]

/mf (Medienkunst, Informationsethik)


collabor (Berlin, Linz, Salzburg)

Die Wiener Firma knallgrau (u.a. Entwickler des Web-Auftritts von fm4, inklusive soundpark) kooperiert mit der TU Berlin und den Universitäten Salzburg und Linz im Rahmen des großen Blog-Projekts "collabor - Kollektives Lehren und Publizieren". Dazu gibt es ein kleines dreiseitiges Exposé [ pdf auf knallgrau.at ].

Die inhaltlichen und ästhetischen Qualitäten der teilnehmenden Studenten-Seiten schwanken sehr stark. Überhaupt sieht collabor auf den ersten Blick nach einem Projekt aus, das viel zu schnell wächst (bzw. zu früh zu groß angegangen wurde): gestartet im Oktober 2003, heute 389 (!) öffentliche Weblogs. Dass die Sache bei einer derartigen Dimensionierung zumindest grundsätzlich zu funktionieren scheint, ist aber trotzdem beeindruckend. Bin gespannt, wie das Unternehmen in ein bis zwei Semestern aussieht.

[via bloghaus]

/mf (Blogging)


w3: wiedewiedeweb

Wenn ich Martin recht verstehe, dann hat Punkt (2) seines Postings entfernt mit diesem aktuellen Google-Phänomen zu tun: Google liefert bei einer Suche nach "miserable failure" derzeit auf Platz 1 die offizielle Bush-Biographie auf den Seiten des White House (und zwar sowohl für die Phrase "miserable failure", wie auch für die boolsch-und-verknüpften separaten Begriffe).

Nun kommt keines der beiden Wörter im Text der Biographie vor, dafür aber als Ko-Information zu Links auf die White-House-Seite, die von ein paar Hundert Blogs ausgehen. Die als Google-Bombing bekannte Technik ist damit das ko(n)textuelle Gegenstück zum traditionellen Pushen eigener Seiten mit Hilfe von hochfrequenten Schlüsselbegriffen.

Das ist das all-in-one Pippi-Guerilla-Kontextualismus-Konterdeterminations-Beispiel.

(Ich muss mir übrigens abgewöhnen, in diesem Zusammenhang von Konterdetermination zu sprechen. Der Begriff kommt ursprünglich aus Weinrichs Metapherntheorie. Mein anfänglicher Verdacht, dass die im Netz durch Links gegebenen textsemantischen Relationen etwas mit metaphorischen Strukturen zu tun haben, hält dem ersten Anlauf, das durchzudenken, nicht Stand.)

Es geht eher um so etwas: Bush <-- miserable failure ist nur scheinbar nichts weiter als eine technisch erzwungene Prädikation in Google. Die Pointe des erfolgreichen Google-Bombings aber kommt nicht in dieser Prädikation (die für sich genommen witzlos wäre) zum Ausdruck, sondern im Satz " 'Bush is a miserable failure' ranks No. 1 in Google's results ", der in der spezifischen Situation "Google-Suche" impliziert wird. In diesem Fall ist die Prädikation selbst nur eine Anführung (mention), kein Gebrauch (use). Dabei werden die Relevanzwerte von Suchergebnissen von Anfragen, die selbst wahrheitsfähige Sätze sind, vom durchschnittlichen User tendenziell mit Wahrheitswerten in eins gesetzt (google knows it: if it's ranked first it's universally true).

[ mehr (über pragmatische Aspekte) ]

/mf (Theorie, Webtechnologie, Blogging)


 Samstag, 6. Dezember 2003
Representing Representation

Der Screenshot oben ist aus dem Film Magic in the Air (1955), gesponsert von der PR-Abteilung von General Motors. (Man beachte die schöne Repräsentations-Bildmetapher!) An der Stelle des Films wird gerade erklärt, wie mittels einer Linse (das in der Mitte ist wohl ein Objektiv) Aufnahmen auf ein Mosaik projiziert werden.

Der Kurzfilm (8m 12sec) erläutert allgemein Vorzüge und Funktionsweise von Fernsehen. Sponsor-bedingte, seltsam weitläufige Diskussion der technischen Parallelen zwischen Automobil und Fernsehen, sowie noch seltsameres Bildmaterial aus zum Teil ziemlich privaten Bereichen des alltäglichen Ehelebens, nicht nur zur Illustration gemütlich-familiärer Fernsehkultur, sondern auch zur Erläuterung fernsehtechnischer Produktionsprozesse. Weirded out! Der Skyscraper-Sendeturm mit handgezeichneten elektromagnetischen Zick-Zack-Wellen wird für die Kategorie strangest late-modernist aesthetics nominiert.

Solche (und buchstäblich tausende weitere) digitalisierte historische Filme findet man im Moving Images Archive des Internet Archive. Das MIA besteht aus

Gold mine.

[ via scout-report newsletter ]

/mf (Medienarchäologie, TV, Material)


Für Martin

Leute mit dieser Argumentationsstruktur finden auch dieses gut.

P.S.: ernsthafteres Material folgt.

/mf (Pop, Misc.)


 Freitag, 5. Dezember 2003
Appearances to the mind are of four kinds

Florian Rötzer analysiert auf telepolis das residual self image deutscher Parteien und Medien, wie es in den Metatags der jeweiligen Seiten zum Ausdruck komment. Das inspiriert zu einem kleinen Feldversuch in österreichischen Gefilden. Auf der Seite der SPÖ versteckt sich folgende Description:

<META NAME="description" CONTENT="Der WWW Server der SPÖ ist ein Diskussions- und Informationsorgan der Sozialdemokratischen Partei Österreichs und will einen Beitrag zum freien politischen Diskurs.">

Einen Beitrag zum freien politischen Diskurs wünschen sich viele. Nur -- von wem könnte der kommen?

/mf (Webtechnologie, Misc.)


Challenge: The Victorian Internet

"What would the Victorians have made of the interweb? We need to know, for our own private, ahem, 'research' - show people your ideas on the messageboard." (link)

sehr lustig, auf den ersten blick. sehr viele seiten übrigens, meistens manipulierte gifs.

und eigentlich doch eine gute frage. wenn man sich erinnert, dass peirce um 1880 oder so seine wichtigsten gedanken in einer korrespondenz mit victoria lady welby niedergelgt hat.

george landow, hypertext-urgestein, hat übrigens seit langem ein kulturgeschichtliches "victorian web" angelegt.

/ml (Misc., Medienarchäologie)


Semantic Cloud (cont'd)

"... However, I do believe that there will be a substantial improvement in the quality of information retrieval (which includes targeting) by combining these two approaches: the statistical and the semantic. ..."

das scheint ein interessanter kleiner thread zum komplex semantic web/google zu sein (4/2003), unter der überschrift: Google bought Applied Semantics: so what?. vermutlich dem spezialisten eh bekannt, aber trotzdem.

übrigens der einzige treffer in feedster für "semantic cloud" - nach drei von meinen postings. so maybe i've added another fragment to this big semantic cloud in the virtual skies.

/ml (Webtechnologie, Theorie)


Semantic Cloud: definition of ...

es gibt den terminus offensichtlich, aber er wird unsystematisch verwendet. am konkretesten benutzt ihn seth russell, anscheinend erfinder des konzepts von semantic memory.

"Well see, that's the difference between a (semantic cloud) where one is not always being able to vance, and a (semantic memory) in which, by definition and design, we can always vance. The (semantic cloud) is the environment in which the (semantic memory) lives .. if I can use that word here. There is an inside and an outside to the (semantic memory) predicament, just like the human predicament. I, on the other hand, have worked, designed, and related to the internal environment almost exclusively; and so view the external environment of the cloud as just something to read from, write to, and perhaps behave against.

I don't think either view should predominate, rather both must exist as two sides of a coin must exist."

ergänzend dazu ein anderer fund, in dem es um semantik chinesischer schriftzeichen geht:

"Although some liúmáng may be married or may operate in small criminal gangs, there is a semantic cloud over the term liú that suggests an individual with little connection to the world, and is probably not married." (link)

irgendwo dazwischen liegt mein einstweilen intuitiver gebrauch von "semantic cloud".

/ml (Webtechnologie, Theorie)


 Donnerstag, 4. Dezember 2003
ad karl kraus und blogs

Vgl. die story zu rhetoric of blogs (mf): da gibts einen aufsatz in telepolis.

ml (Theorie, Blogging)


semantic cloud: the cloud of cool (nachtrag)

da habe ich am ende vergessen zu sagen, dass die verlinkung als reine korrelations-maschinerie natürlich ein google-ähnliches meta-programm benötigt, das dann die muster, die sich so ergeben, ausliest und am besten als intuitive struktur ausgibt. und möglichst dazu, nach dem vorbild von chalmers' "path-model" bzw. von amazon, dann verwandte muster anbietet: "leute mit ihrer argumentationsstruktur haben auch folgende theorie gekauft" ...

ml (Theorie, Webtechnologie)


 Mittwoch, 3. Dezember 2003
semantic cloud: the sound of vernetzung, the cloud of cool

nachdenken, was "höhere" funktionen von links sein könnten (außer dem trivialen verweis selbst):

(1) einen subkulturellen quasi-sozialen raum erzeugen, in dem man spricht (der konkrete bezug zur gelinkten stelle ist nicht so wichtig wie die haltung, die durch die anderen sites bzw. stimmen ausgedrückt werden: ich kann ein und dasselbe statement mit 5 links zu hohlen info-society-key-lectures vernetzen oder eben mit 5 coolen guerilla-theoretikern -- oder auch mit 5 skurrilen netz-fundstellen, wie in suck. und mein statement bedeutet jedes mal etwas anderes.)

(2) sozusagen googeln: einen semantischen raum selbst durch korrelation definieren. pippi-langstrumpf-prinzip: "ich bau mir meine welt widewidewie sie mir gefällt". so funktioniert ja auch ein literarischer text, wenn er eine implizite sekundäre semantische ordnung aufbaut, die z.b. "grün" korreliert mit "mutterschaft", "drehbleistift" mit "sex", "teetasse" mit "kindheitstrauma" usw.

(3) und es gibt sicher noch was ...

/martin (Theorie, Webtechnologie)


Das Gegenteil von gut...

...ist gut gemeint. Das gilt auch für den feedster:

(Ich habe geklickt.)

/mf (Misc.)


Bericht von der DMZ London von Stefan Lutschinger

Am 14. und 15. November fand in London das DMZ Media Arts Festival statt. Stefan Lutschinger berichtet auf cs.at darüber. Wildes Zeug, von der Digitalfilm-Avantgarde (onedotzero) über environmental code (1010) bis hin zu praktischen Wireless Network-Experimenten im urbanen Raum (ubiquitous computing-Ecke) und einer "kritischen Psychogeographie" von Saul Albert. Warum Weibel zitieren, wenn der Wiener doch so nahe liegt?

[ via cs.at Newsletter]

/mf (Medienkunst)


Scarfed!

The Unh! Project: eine Sammlung von Gutturallauten in Comics, inklusive Glossar für die passenden Geräusche in allen Lebenslagen. "Wurrrg" (s.o.) zeigt die Situation "yanked backwards with scarf". Weitere praktische Sprachspiele finden sich für "thrown through window (transfenestration)", "butt hit by book", "being kicked in face while airborne" und weitere. [via memepool]

/mf (Misc.)


Anschauen

Das hier habe ich zwar ohnehin schon in unsere Blogroll aufgenommen, aber was dermaßen schön und gut ist muss hier nochmal eigens erwähnt werden: erratika.

/mf (Blogging)


Tech Stuff

Erstens: VoIP ist erwachsen. Skype ist eine Fasttrack-basierte P2P VoIP-Applikation. Einfacher zu installieren als ICQ, qualitativ besser als traditionelles Telefon. Es kommt zwar von Zennstrom/Friis (Kazaa), ist aber (noch) spyware-frei. Skype-Traffic ist nicht nur distribuiert, sondern auch stark verschlüsselt. Laut NYT ärgert sich das FBI bereits darüber [ /. ]. 

Zweitens: Die Sache mit den Tablet PCs ist noch nicht gegessen. Helium 2100 von Element ist der erste Tablet unter USD 1000. Und: er ist linux-basiert (Lycoris). [ /. ]

/mf (Tech)


 Dienstag, 2. Dezember 2003
Ralf Grötkers Vorberrichterstattung zum WSIS

Vom 10. bis 12. Dezember 2003 findet in Genf Phase 1 des World Summit on the Information Society statt. Telepolis hat zu diesem Thema einen sehr guten Artikel von Ralf Grötker über Informationsethik.

Trotz der vielen konkreten Beispiele und Verweise sind einige Punkte des Textes auf andere medientheoretische Fragestellungen übertragbar, insbesondere der methodologische Abschnitt "Eine neue Ethik?" und die dort aufgeworfene Frage nach der Subsumierbarkeit aktueller informationsethischer Probleme unter die traditionelle Ethik und Moralphilosophie (Stichwort: Traditionalisten vs. Vertreter der These von der Eigenständigkeit der Informationsethik). [via internetz/vibe.at]

Zusätzlicher Link: Charta der deutschen Zivilgesellschaft anlässlich WSIS-1: Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft [ pdf ], wo Artikel 12 der Allgemeinen Menschenrechte ernst genommen wird. Sehr erfreulich.

/mf (Informationsethik, Medienphilosophie)


Die Zukunft hat eine Vergangenheit

"A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory." Vannevar Bush: "As We May Think" (1945)

[mehr]

mf (Medienarchäologie, Theorie, Webtechnologie)


The Rhetoric of Blogs

Überlegungen zu Martins Posting über die Blogs eignende Ästhetik und Rhetorik.

Von Hyperlinks und Suck über Zentripetalpumpen und Vortizismus zu topic maps und semantic links. Pflugscharen von Wörtern: towards Post-Post-Literacy.

So was braucht Platz -- deswegen als Story ausgelagert.

/mf (Theorie, Blogging)


 Montag, 1. Dezember 2003

deutsch ist eine komische sprache. merkwürdig eckig: sie lässt sich nicht singen (r.d. brinkmann). umständlich ausufernd: man muss da immer nur grübeln (frei nach r. goetz).

ich denke ich gebe meinen beiträgen für das blog drei leitmotivische überschriften: (so wot is:) da media --- semantic cloud --- pop culture.

und ideal wäre es wohl wirklich, alle beiträge mit links zu spicken: schon auch aus informationsgründen, wg. vernetztem denken. aber mindestens ebenso sehr auch wg. der merkwürdigen rhetorik, die so entsteht: the sound of blogging.

die bloße, aber suggestive und wirksame behauptung der vernetzung, jenseits der bedeutung dessen, was da vernetzt wird. die idee in die welt setzen, aber nicht als "idee". move your ass, the mind will follow.

eine künstliche umwelt erzeugen, in der ich dann weiterdenken kann: semantic cloud.

da media: freund hartmann in "mediologie" sagt vieles zitierwürdig, gerade das grundsätzlichste, den epochen-umbruch im zeichen der medien betreffende. und doch stimmt im detail fast nichts: "die medien" werden reduziert auf "vernetzung" und technisch-elektronische "bilder". daraus erklärt sich nicht nur das totale unverständnis für sprach-texte und strukturalistische "text"-theorie, die natürlich nicht damit erledigt ist, dass man auf nicht-sprachliche zeichensysteme hinweist. alles ist text, immer noch: nicht weil alles nach linguistischen "gesetzen" funktioniert, sondern weil alle kulturellen zeichen eingebettet sind in sprache/schrift als meta-medium: und zwar doppelt, nämlich bereits auf der objektebene und nochmals auf der meta-metasprachlichen ebene. und daran hat sich nichts geändert.

dass es ganz andere texte sind, dass sie angereichert sind mit neuartigen bildern, übrigens auch "körpern", dass das nicht-textuelle immer prägnanter wird ... ist alles gekauft. aber auch das nicht-textuelle ist eben gegenstand von reflexion nur insofern, als es sich als "text" beschreiben und analysieren lässt (oder als sein immanentes negativ).

deutsch ist eine komische sprache. merkwürdig eckig. und man muss immer

/ml (Theorie)