mediatope
...beweist damit, dass er es war (Kierkegaard).
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/mf
Peymann im Henrichs-Interview (Vorsicht: SZ-Halbwertszeit):
Ist das in obigem Zitat mit Erstaunen zum Ausdruck gebrachte der Grund dafür, warum sich auch der folgende Ausspruch von Peymann irgendwie nach Generationenkonflikt anhört?
Ich muss zugeben, dass ich mir das bisher nie so recht überlegt habe: Was, wenn Pop nicht zeitlos wäre?
/mf (Pop)
was ist das eigentlich: pop? warum riecht er so komisch? eine ernste frage von weltstaatstragender bedeutung, wie ein generationsgenosse konstatiert:
Die Generation Pop hat gelernt zu moderieren statt zu rebellieren. ... "No more fucking Rock'n'Roll" stand auf unseren T-Shirts. Was anfangs die Moderation zwischen Heaven 17 und Palais Schaumburg war, wurde zur Moderation zwischen A&R und Vertrieb, zwischen deutscher Geschichte und internationalem Horizont, zwischen Pop und Politik. ... Was die Musikindustrie momentan als Krise erfährt, relativ früh auf Grund unserer Position als industrielle Avantgarde, ist eine grundsätzliche gesellschaftliche Verschiebung: Wir verlassen das Massenzeitalter. Wir betreten das Individualzeitalter. ... Der Berliner Republik droht ein Legitimationsproblem als Staatsgefüge angesichts der umfassenden Individualisierung unserer Gesellschaft. Wir, als Musikindustrie, haben die Aufgabe, das beginnende Individualzeitalter zu moderieren. Es ist unsere Verantwortung, den Einzelnen in kulturelle Gemeinschaftserlebnisse zu integrieren. Es wird zur Überlebensaufgabe unserer Gesellschaft, kollektive Themen und Mythen zu finden und zu besetzen.
so der pop-Manager tim renner (40), bis vor kurzem chef von universal music/polygram deutschland. in der neuen SZ setzt der pop-kritiker dirk peitz seine analyse des "reformstau des pop" dagegen (link verfällt nach ein paar tagen):
dazu passt: kürzlich habe ich nachts im auto den br-zuendfunk nachtmix gehört. am mikrofon: michael miesbach, ein sympathischer bekannter aus jugendzeiten. generation pop. seine sendungen tragen titel wie slow beats - instrumentaler hiphop und umgebung. -- techno ist jazz. carl craig - porträt eines pioniers der 90er jahre. -- electronica - zwischen kammermusik und tanzfläche. kommentiert mit einer fachmann-stimme, wie sie seinerzeit nachts am selben sendeplatz die sektiererischsten und akademischsten jazz- und musica-viva-nerds hatten. es war gespenstisch. (ich erinnere mich noch daran, dass er früher mal fan der brillanten buzzcocks war.)
mein radio-pop-wiedergeburtserlebnis hatte ich dagegen auch erst vor kurzem, seit ich nämlich fm4 im auto höre: die morning show (unofficial stream hier). mit einer indie-pop-playlist (großartiger service: die fm4-tracklist-suche), die tatsächlich noch etwas vom alten geist vermittelt (nur dass damals das radio viel schlechter war). mit stuart freeman, meinem lieblingsmoderator mit meinem lieblingstonfall (blackpool-akzent).
(großer seufzer:) ein wenig an den großen mtv-vj ray cokes (!) erinnernd. pop ist ja eine britische erfindung, wie man weiß. und ein blick auf freemans photo dann natürlich: er ist ein alter sack. wie ich. wie pop. und wie peter praschl, der gerade einen olaph-dante-marx essay von 1983 in form von erratika-comments blogstreamt.
/ml (pop)
ein alter blogdialog, geführt von offenkundig alten säcken (wie mir selbst) und passender weise nur noch über den google-cache zugänglich. historie und prähistorie, frisch aus dem archiv. zuerst malorama, der jugenderinnerungen an "die innenwelt der außenwelt der innenwelt" nachhängt (am 22.04.01):
genau: die japanische hitparade. ein seltsam brillanter text zwischen konkreter literatur, strukturalistischer avantgarde und eben, eh, popliteratur. in reaktion darauf sofa/praschl am selben tag:
der coolste alte handke-text aus der zeit als er POP war (1965 - 1969), den ich auf die schnelle im web gefunden habe, ist dieser ausschnitt aus ich bin ein bewohner des elfenbeinturms, wieder nur im cache.
da bietet sich dem archäologen der sprung zur auch schon altersweisen DJane amina handke an, die 2002 "popliteratur" anders deutete: als DJ-gig im robert-musil-insititut für literaturforschung. geboren im april 1969, zeitgleich mit dem erscheinen von "die innenwelt ..." und dem beginn der "deutschen hitparade" im zdf.
das passt: da war THE GOLDEN ERA OF POP zu ende (1964 - 1969) und es begannen DER ROCK (in all seinen eher unerfreulichen erscheinungsformen, die merkwürdiger weise gerade wieder als cool gelten) sowie der MAINSTRAM POP und PORNO (für die dasselbe gilt). die suche mit abba+porno legt übrigens nahe, dass es sich tatsächlich um eng verwandte (un)ästhetische phänomene handelt: Super Abba fakes nue porno pas cher! Ici nous avons plus de porno nue Abba. Abba nue! Abba porno! Abba video nue Pour des liens Abba cliquez ici! retour Sexe
/ml (pop)
1.041.756 Essays hat der fleißige Postmodernism Generator laut dortigen Angaben seit dem Jahr 2000 produziert. Sehr Brav. [ via romblog. Danke für den Hinweis.]
Das technische Paper dazu (A.C. Bulhak: "On the Simulation of Postmodernism and Mental Debility Using Recursive Transition Networks." (1996) [ ps ]) erklärt, wie die zugrundeliegende Grammatik ungefähr aussieht:
| "the subject is " neut-verb>past-tensify " into a " term>strip_the " that includes " big-abst-thing " as a " big-singular-thing ". "
Das liefert Sätze wie z.B. "The subject is interpolated into a structuralist subcapitalist theory that includes sexuality as a whole." (Hans E. Geoffrey und B. Linda Sargeant: "Subdeconstructive capitalism in the works of Rushdie"). Verschiedene solche über Schablonen generierte Sätze ergeben dann einen Text, in dem es von non-sequiturs nur so wimmelt -- was man auf den ersten Blick aber nicht ohne Weiteres erkennt. Küchenpsychologische Beobachtung: im Zweifelsfall neigt man als Leser dazu, einen inhaltlichen oder logischen Zusammenhang anzunehmen, auch wenn dieser unklar sein sollte. (Sinnunterstellung per default.) Das funktioniert natürlich mit semantisch unklaren Begriffen umso besser.
Mit diesem und ähnlichen Schmähs werden im Wesentlichen seit 13 Jahren die Loebner Contests (dem Selbstverständnis nach die praktische Umsetzung des Turing Tests) gewonnen. Klassiker aus dem Bereich Loebner-Dialogsysteme:
Jason L. Hutchens: "How to Pass the Turing Test by Cheating." [ pdf ].
Da werden sie alle vorgestellt: die alte ELIZA, PARRY (Colbys Jahrtausend-Aufsatztitel dazu: "Modeling a Paranoid Mind"), Winograds SHRDLU, der PC Therapist, TIPS, FRED, Hutchens' MegaHAL und Andere).
Letztes Jahr hat übrigens JABBERWOCK von Jürgen Pirner gewonnen, mit dem man sich online (nicht) unterhalten kann. Hat sich nicht so viel getan seit Eliza.
/mf
In den Köpfen der Internet-Nachrichtenmacher spukt hartnäckig ein Fabelwesen: Der namenlose User, bewaffnet mit Stoppuhr und eigenem Agentur-Ticker, immer auf der Jagd nach dem zweitschnellsten Online-Angebot. So wenig die Welt "old news" braucht - so sehr kann sie auf unprofessionelle Schnellschüsse verzichten. Klaus Meier rät Online-Journalisten, wieder Mut zur Langsamkeit zu entwickeln - denn welcher Anbieter ein Thema am schnellsten publizieren konnte, interessiere den User schließlich "nicht die Bohne". [ via reisenotizen ]
Sonst setzt es eben Schlagsöcke ab. [ via camp catatonia ]
Neues Layout des Standard: ich weiß nicht recht.
/mf
