Mittwoch, 21. Januar 2004
blogging lifestreams

"could weblogs be developed into a 'lifestream" interface?" wird auf memestreams gefragt.

eine frage, die ich mir nach den ersten blog-erfahrungen gleich gestellt habe. wenn ich mir ein konsequentes groß angelegtes solo-gedanken-blog vorstelle, erst mal nur für mich, in das ich permanent hineinschreibe, mich selbst verlinke, mich selbst kommentiere usw ...

ist das nicht gleichzeitig die beiläufige und bereits erstaunlich ausgereifte antwort auf david gelernters berühmte interface-utopie von 1997 (oder so, das immer noch sehr lesenswerte manifest erschien in The Edge), die forderte, dass der zeitbasierte "lifestream" als leitmetapher den raumorientierten "desktop" ersetzen soll?

New software requires a new metaphor. Today's files, folders and desktops are obsolete. Desks and file cabinets are furniture; computers are machines. The traditional 'Still Life with Icons and Menus' is obsolete, too. Information hits us constantly; we need a dynamic display that shows us information as it happens. I want one unified information stream — the electronic story of my life.

soweit gelernter selbst in einem kurzen update der vision (von 2002) in der NYT, der titel "Bold New Look, Tired Old Metaphor" bezieht sich auf den damals neuen imac.

eine suche zeigt, dass der gedanke schon auch anderen gekommen ist, aber insgesamt doch eher selten. ist das geschichtsvergessenheit oder ist die idee selbst blödsinn?

hier weist unter dem titel "we're all gelernter now" ein programmierer auf neue zeitorientierte trends bei debuggers und bei backup-software hin: "has anyone else noticed that time-based tagging is becoming more and more important to the way we store and process data?" das hat an sich noch nichts mit blogs zu tun, obwohl der beitrag selbst gebloggt ist, aber hier diskutieren andere, anscheinend intelligente programmierer recht angeregt über übergänge zwischen e-mail-clients, blogging und lifestreams. klingt interessant (any ideas anyone?).

stuart henshall denkt in seinem unbound spiral weblog etwas ausführlicher über blogging als lifestream nach, in meinem sinn. einen interspace für mein eigenes wissen schaffen: know what you know, war der schlachtruf der knowledge management gurus. und ich weiß ja nichts, solange ich gedanken nicht ins spiel bringe. in mein eigenes dynamisches spiel (mein solipsistisches lokal-blog) und/oder eben auch in ein größeres kollaboratives spiel (blogosphere), einfach indem ich meine blog-gedanken als impulse in den großen resonanzraum da draußen schicke. wie zum beispiel diesen blog-lifestream-gedanken hier.

allerdings ist lifestream-blogging dann arbeit, aber eine, die es wert ist. es ist arbeit am selbst, wie foucault (mit nietzsche) sich das bei den alten griechen dachte: "oberflächlich - aus tiefe".

diese blog-gedanken existieren ja nicht einfach so. es ist eben nicht das, was ich im kopf habe: der grundfehler der tagebuch-blogger. da ist nämlich nichts. gedanken (und bedeutungen) entstehen immer im dazwischen, d.h. in einer struktur. für mein eigenes solo-spiel genauso wie für das kollaborative gedankenspiel brauchen sie also eine eigene stilistische und argumentative form, wie sie sich ansatzweise im schlaueren teil der blogosphere bereits herauskristallisiert hat: die bereits kürzlich erwähnte blog-sprache, die das blogging überhaupt erst zum funktionieren bringt.

(to be continued)

/ml (Blogging, Webtechnologie)


 Donnerstag, 11. Dezember 2003
Materialsammlung: WikiBlog-Hybride

/mf (Materialsammlung, Blogging, Webtechnologie)


Markup Madness

Augmented Blog- & WikiTeXing bei Danny Ayers.

/mf (Webtechnologie)


blogging web communities

dieser blog-raum wird ja sehr schnell sehr beängstigend groß. ich komme mit dem denken/lesen/schreiben kaum hinterher.

da ich für den innsbrucker kongress den auftrag habe, mir über blogs und communities gedanken zu machen, die ich dann hier ausprobieren werde. hier die beste wiki-ressource zu wiki-blogs, die von wikipedia-machern zu stammen scheint.

zitat zu wiki-blogs:

My interest is in online community-building. This, I think, sits right in the middle of wiki and weblog, in that they both provide a place for people to gather, and a shared enterprise for them to engage in. Both, however, fall short of the task of community-building in different circumstances and for different reasons.

das habe ich wiederum von einem allgemeineren deutschen blog, das medienthemen themen behandelt und weiter verlinkt.

/ml (Blogging)


 Mittwoch, 10. Dezember 2003
Repräsensationell

This project was created to make a visual representation of a space that is very much one-dimensional, a metaphysical universe. The data represented and collected here serves a multitude of purposes: Modeling the Internet, analyzing wasted IP space, IP space distribution, detecting the result of natural disasters, weather, war, and esthetics/art. This project is free and represents a lot of donated time, please enjoy. [ opte, via Nova Spivack ]

/mf (Webtechnologie)


 Sonntag, 7. Dezember 2003
w3: wiedewiedeweb

Wenn ich Martin recht verstehe, dann hat Punkt (2) seines Postings entfernt mit diesem aktuellen Google-Phänomen zu tun: Google liefert bei einer Suche nach "miserable failure" derzeit auf Platz 1 die offizielle Bush-Biographie auf den Seiten des White House (und zwar sowohl für die Phrase "miserable failure", wie auch für die boolsch-und-verknüpften separaten Begriffe).

Nun kommt keines der beiden Wörter im Text der Biographie vor, dafür aber als Ko-Information zu Links auf die White-House-Seite, die von ein paar Hundert Blogs ausgehen. Die als Google-Bombing bekannte Technik ist damit das ko(n)textuelle Gegenstück zum traditionellen Pushen eigener Seiten mit Hilfe von hochfrequenten Schlüsselbegriffen.

Das ist das all-in-one Pippi-Guerilla-Kontextualismus-Konterdeterminations-Beispiel.

(Ich muss mir übrigens abgewöhnen, in diesem Zusammenhang von Konterdetermination zu sprechen. Der Begriff kommt ursprünglich aus Weinrichs Metapherntheorie. Mein anfänglicher Verdacht, dass die im Netz durch Links gegebenen textsemantischen Relationen etwas mit metaphorischen Strukturen zu tun haben, hält dem ersten Anlauf, das durchzudenken, nicht Stand.)

Es geht eher um so etwas: Bush <-- miserable failure ist nur scheinbar nichts weiter als eine technisch erzwungene Prädikation in Google. Die Pointe des erfolgreichen Google-Bombings aber kommt nicht in dieser Prädikation (die für sich genommen witzlos wäre) zum Ausdruck, sondern im Satz " 'Bush is a miserable failure' ranks No. 1 in Google's results ", der in der spezifischen Situation "Google-Suche" impliziert wird. In diesem Fall ist die Prädikation selbst nur eine Anführung (mention), kein Gebrauch (use). Dabei werden die Relevanzwerte von Suchergebnissen von Anfragen, die selbst wahrheitsfähige Sätze sind, vom durchschnittlichen User tendenziell mit Wahrheitswerten in eins gesetzt (google knows it: if it's ranked first it's universally true).

[ mehr (über pragmatische Aspekte) ]

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 Freitag, 5. Dezember 2003
Appearances to the mind are of four kinds

Florian Rötzer analysiert auf telepolis das residual self image deutscher Parteien und Medien, wie es in den Metatags der jeweiligen Seiten zum Ausdruck komment. Das inspiriert zu einem kleinen Feldversuch in österreichischen Gefilden. Auf der Seite der SPÖ versteckt sich folgende Description:

<META NAME="description" CONTENT="Der WWW Server der SPÖ ist ein Diskussions- und Informationsorgan der Sozialdemokratischen Partei Österreichs und will einen Beitrag zum freien politischen Diskurs.">

Einen Beitrag zum freien politischen Diskurs wünschen sich viele. Nur -- von wem könnte der kommen?

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Semantic Cloud (cont'd)

"... However, I do believe that there will be a substantial improvement in the quality of information retrieval (which includes targeting) by combining these two approaches: the statistical and the semantic. ..."

das scheint ein interessanter kleiner thread zum komplex semantic web/google zu sein (4/2003), unter der überschrift: Google bought Applied Semantics: so what?. vermutlich dem spezialisten eh bekannt, aber trotzdem.

übrigens der einzige treffer in feedster für "semantic cloud" - nach drei von meinen postings. so maybe i've added another fragment to this big semantic cloud in the virtual skies.

/ml (Webtechnologie, Theorie)


Semantic Cloud: definition of ...

es gibt den terminus offensichtlich, aber er wird unsystematisch verwendet. am konkretesten benutzt ihn seth russell, anscheinend erfinder des konzepts von semantic memory.

"Well see, that's the difference between a (semantic cloud) where one is not always being able to vance, and a (semantic memory) in which, by definition and design, we can always vance. The (semantic cloud) is the environment in which the (semantic memory) lives .. if I can use that word here. There is an inside and an outside to the (semantic memory) predicament, just like the human predicament. I, on the other hand, have worked, designed, and related to the internal environment almost exclusively; and so view the external environment of the cloud as just something to read from, write to, and perhaps behave against.

I don't think either view should predominate, rather both must exist as two sides of a coin must exist."

ergänzend dazu ein anderer fund, in dem es um semantik chinesischer schriftzeichen geht:

"Although some liúmáng may be married or may operate in small criminal gangs, there is a semantic cloud over the term liú that suggests an individual with little connection to the world, and is probably not married." (link)

irgendwo dazwischen liegt mein einstweilen intuitiver gebrauch von "semantic cloud".

/ml (Webtechnologie, Theorie)


 Donnerstag, 4. Dezember 2003
semantic cloud: the cloud of cool (nachtrag)

da habe ich am ende vergessen zu sagen, dass die verlinkung als reine korrelations-maschinerie natürlich ein google-ähnliches meta-programm benötigt, das dann die muster, die sich so ergeben, ausliest und am besten als intuitive struktur ausgibt. und möglichst dazu, nach dem vorbild von chalmers' "path-model" bzw. von amazon, dann verwandte muster anbietet: "leute mit ihrer argumentationsstruktur haben auch folgende theorie gekauft" ...

ml (Theorie, Webtechnologie)


 Mittwoch, 3. Dezember 2003
semantic cloud: the sound of vernetzung, the cloud of cool

nachdenken, was "höhere" funktionen von links sein könnten (außer dem trivialen verweis selbst):

(1) einen subkulturellen quasi-sozialen raum erzeugen, in dem man spricht (der konkrete bezug zur gelinkten stelle ist nicht so wichtig wie die haltung, die durch die anderen sites bzw. stimmen ausgedrückt werden: ich kann ein und dasselbe statement mit 5 links zu hohlen info-society-key-lectures vernetzen oder eben mit 5 coolen guerilla-theoretikern -- oder auch mit 5 skurrilen netz-fundstellen, wie in suck. und mein statement bedeutet jedes mal etwas anderes.)

(2) sozusagen googeln: einen semantischen raum selbst durch korrelation definieren. pippi-langstrumpf-prinzip: "ich bau mir meine welt widewidewie sie mir gefällt". so funktioniert ja auch ein literarischer text, wenn er eine implizite sekundäre semantische ordnung aufbaut, die z.b. "grün" korreliert mit "mutterschaft", "drehbleistift" mit "sex", "teetasse" mit "kindheitstrauma" usw.

(3) und es gibt sicher noch was ...

/martin (Theorie, Webtechnologie)