Dienstag, 2. Dezember 2003
Ralf Grötkers Vorberrichterstattung zum WSIS

Vom 10. bis 12. Dezember 2003 findet in Genf Phase 1 des World Summit on the Information Society statt. Telepolis hat zu diesem Thema einen sehr guten Artikel von Ralf Grötker über Informationsethik.

Trotz der vielen konkreten Beispiele und Verweise sind einige Punkte des Textes auf andere medientheoretische Fragestellungen übertragbar, insbesondere der methodologische Abschnitt "Eine neue Ethik?" und die dort aufgeworfene Frage nach der Subsumierbarkeit aktueller informationsethischer Probleme unter die traditionelle Ethik und Moralphilosophie (Stichwort: Traditionalisten vs. Vertreter der These von der Eigenständigkeit der Informationsethik). [via internetz/vibe.at]

Zusätzlicher Link: Charta der deutschen Zivilgesellschaft anlässlich WSIS-1: Bürgerrechte für eine nachhaltige Wissensgesellschaft [ pdf ], wo Artikel 12 der Allgemeinen Menschenrechte ernst genommen wird. Sehr erfreulich.

/mf (Informationsethik, Medienphilosophie)


 Donnerstag, 27. November 2003

vor lauter begeisterung fürs neue medium: schon wieder ich. (ich verspreche in zukunft dosierter zu bloggen.)

bezogen auf sandbothes kritik/diskussion der medienphilosophie: auf seiner homepage ist ein anderer text sandbothes, der eine frühere version dieser kritik mit eigenen anmerkungen zum film "matrix" und "minority report" enthält.

und diese praktische anwendung der "praktischen philosophie" ist ein desaster und offenbarungseid: sandbothes statements zu "matrix" sind jedenfalls von kaum zu unterbietender schlichtheit.

das totale nicht-verstehen der sehr komplexen medienkonzeption und medienphilosophie, die in "matrix" als text (nicht als "philosophische abhandlung" der wachowskis!) impliziert ist.

was meine überzeugung bestätigt, dass ein medienphilosoph ein sehr guter medien(text-)analytiker sein müsste, bevor er zu innovativen diskutierbaren philosophischen konzeptionen kommen kann.

ml (Theorie, Medienphilosophie, Film)


frank hartmanns natürlich sehr empfehlenswerte "mediologie" habe ich gerade angefangen zu lesen.

ich habe das (undeutliche) gefühl, als decke sich das, was er will (damit kann ich mich voll identifizieren) nicht mit der irgendwie altmodisch-unflexiblen terminologie/theorie, die er anwendet (u.a. "übertragen").

"übertragen" ist mir sehr suspekt: eigentlich glaube ich, dass es neben "speichern vs. übertragen" noch etwas drittes gibt, das eigentlich die (neuen) medien ausmacht: man könnte es provisorisch "anschließen/aufladen" nennen. "die medien" ist dann so etwas wie eine technisch konkrete wolke von zeichen, die mit jeder aktualisierung ständig changierend und doch relativ stabil "über" (nicht: in) unseren köpfen schwebt. verwandt mit "die sprache".

wir "benutzen" die medien nicht, wie schließen uns an oder koppeln un (unvollkommen) ab. und da wird auch nichts gespeichert (nur strukturen mit eigendauer erzeugt) und nichts kommuniziert/übertragen (nur sich an eine gemeinsame zeichenwolke angeschlossen: da fließt dann eher so etwas wie "semantische energie"). [womit ich bei übler matrix-sf-esoterik-metaphorik gelandet wäre.]

so stelle ich mir die semiosphäre von jurij m. lotman vor, oder ein foucaultsches "apriori". und so funktionieren übrigens auch literarische texte und "literatur" überhaupt. und "die kultur" als ganze: als summe aller zeichen-strukturen, -prozesse, -spiele und -akte an einem bestimmten raumzeitpunkt.

[zu akademisch. schon wieder.]

/ml (Theorie, Medienphilosophie)


 Dienstag, 25. November 2003
Sandbothe vergleicht medienphilosophische Ansätze

"Was ist Medienphilosophie?" von Mike Sandbothe (2003) liefert eine Gegenüberstellung der Positionen von

  • Lorenz Engell (Weimar)
  • Elena Esposito (Bologna)
  • Frank Hartmann (Wien)
  • Reinhard Margreiter (Innsbruck)
  • Martin Seel (Gießen) und
  • Stefan Weber (Salzburg).

/mf (Material, Medienphilosophie)