Sonntag, 7. Dezember 2003
w3: wiedewiedeweb

Wenn ich Martin recht verstehe, dann hat Punkt (2) seines Postings entfernt mit diesem aktuellen Google-Phänomen zu tun: Google liefert bei einer Suche nach "miserable failure" derzeit auf Platz 1 die offizielle Bush-Biographie auf den Seiten des White House (und zwar sowohl für die Phrase "miserable failure", wie auch für die boolsch-und-verknüpften separaten Begriffe).

Nun kommt keines der beiden Wörter im Text der Biographie vor, dafür aber als Ko-Information zu Links auf die White-House-Seite, die von ein paar Hundert Blogs ausgehen. Die als Google-Bombing bekannte Technik ist damit das ko(n)textuelle Gegenstück zum traditionellen Pushen eigener Seiten mit Hilfe von hochfrequenten Schlüsselbegriffen.

Das ist das all-in-one Pippi-Guerilla-Kontextualismus-Konterdeterminations-Beispiel.

(Ich muss mir übrigens abgewöhnen, in diesem Zusammenhang von Konterdetermination zu sprechen. Der Begriff kommt ursprünglich aus Weinrichs Metapherntheorie. Mein anfänglicher Verdacht, dass die im Netz durch Links gegebenen textsemantischen Relationen etwas mit metaphorischen Strukturen zu tun haben, hält dem ersten Anlauf, das durchzudenken, nicht Stand.)

Es geht eher um so etwas: Bush <-- miserable failure ist nur scheinbar nichts weiter als eine technisch erzwungene Prädikation in Google. Die Pointe des erfolgreichen Google-Bombings aber kommt nicht in dieser Prädikation (die für sich genommen witzlos wäre) zum Ausdruck, sondern im Satz " 'Bush is a miserable failure' ranks No. 1 in Google's results ", der in der spezifischen Situation "Google-Suche" impliziert wird. In diesem Fall ist die Prädikation selbst nur eine Anführung (mention), kein Gebrauch (use). Dabei werden die Relevanzwerte von Suchergebnissen von Anfragen, die selbst wahrheitsfähige Sätze sind, vom durchschnittlichen User tendenziell mit Wahrheitswerten in eins gesetzt (google knows it: if it's ranked first it's universally true).

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/mf (Theorie, Webtechnologie, Blogging)