Ballardeske #2: Semiotik der Kennzeichnung von Uranmüll-Deponien (cont'd)

Ein bisschen off-topic, aber zumindest ein interessantes semiotisches Problem: wie vermittelt man eine Botschaft, die auch in 10.000 Jahren noch verstanden wird?

Seit März 1999 ist in einer Wüste in New Mexico die Waste Isolation Pilot Plant (WIPP) in Betrieb, ein Depot zur Lagerung von Uranmüll, der aus der Forschung und Produktion von nuklearen Waffen entsteht.

Dazu gab es im Vorfeld einen Bericht über die semiotischen Möglichkeiten der Kennzeichnung eines solchen Gebiets:

Kathleen M. Trauth, Stephen C. Hora und Robert V. Guzowski: "Expert Judgement on Markers to Deter Inadvertent Human Intrusion into the Waste Isolation Pilot Plant", Sandia Report, SAND92-1382. UC-721, November 1993.

Auszüge aus dem Bericht (der sich u.A. auf McLuhan bezieht) finden sich auf der Seite von Earle Martin. Was das Kommittee da versucht hat, ist die Entwicklung eines nicht-linguistischen, universal-anthropologisch haltbaren Mitteilungssystems. Heraugekommen ist ein Unbehagen auslösendes Kunstwerk.

Die laut Bericht zu vermittelnden Inhalte werden so verbalisiert:

Für das Gesamtdesign der Deponie werden verschiedene abschreckende "archetypische Bilder" vorgeschlagen. Der Bildausschnitt oben zeigt den Vorschlag "Landscape of Thorns". Andere Designs haben Namen wie

Dabei ließ sich das Kommittee vom Konzept "shapes that hurt the body and shapes that communicate danger" leiten.

Abgesehen von der faszinierenden Ästhetik des Berichts ist der Text sehr interessant hinsichtlich des anthropologisch-semiotischen Rahmens der Fragestellung. Hoffnungsloses Unterfangen -- irgendwie passend.