Nerd-Culture: Lord of the Rings / Matrix / Macintosh (cont'd)

rezension des LOTR-films vom veteranen der postmodernen neo-cineasten claudius seidl, der mir das wesentliche zusammenzufassen scheint: dass es in diesem film (und auf andere weise auch im buch) eigentlich um die welt geht, die hier in bildern beschworen wird, und nicht um die "geschichte" und die "charaktere". die figuren bestehen wiederum nur aus den bildern: die schauspieler halten ihre exzellent gestalteten gesichter in die kamera. das reicht, und das ist viel.

der fehler dieses kinos ist, dass es gleichzeitig doch noch irgendwie "narrativ" sein und "spannung" produzieren möchte. aber die narration besteht eben wiederum zum einen nur aus der struktur der beziehungen der figuren an sich (eine quasi-mythische Konstellation) und zum anderen aus action, also aus bildsequenzen, die narrative spannung ersetzen.

Das alles gilt nicht nur von LOTR, sondern es gilt auch von matrix: es geht um eine in bildern beschworene welt, die "narration" besteht eigentlich nur aus der struktur dieser welt, die stück für stück entdeckt wird, es gibt dazu eine völlig losgelöste ebene der action und die brillanz der schauspieler besteht darin, ihre eindrucksvollen gesichter zur verfügung zu stellen.

(an dieser stelle fehlt eine entsprechende analyse der linie, die von scotts filmen (alien, blade runner) und seinem macintosh-spot über terminator und robocop bis zu matrix führt. vielleicht liefere ich sie mal nach.) im übrigen glaube ich, dass es falsch ist, schlechte regressive nerdculture (LOTR) von guter moderner nerdculture (matrix) zu unterscheiden. ich mag beide filme, ohne allerdings restloser fan zu sein, also bin ich wohl ein nerd: hier ist eine ziemlich neutrale definition.

und hier eine fiesere definition, die die frage aufwirft, ob es gutaussehende oder coole nerds überhaupt geben kann.

meine version: ein nerd ist jemand, der zum solipsismus (und zur community mit anderen solipsisten) neigt. der von abgeschlossenen medialen oder technischen parallelwelten fasziniert ist, in denen er möglichst restlos aufgehen will. er ist nicht notwendig unattraktiv und sozial gestört - es ist nur so, dass er mit "wirklicher" körperlicher attraktivität und "wirklichen menschen" nicht viel anfangen kann. erstere verunsichert ihn und zweitere findet er fade. ich bin dann allerdings ein lächerlicher nerd, weil eigentlich zu alt. so wie der noch ältere dr. dr. rainald goetz, der im techno-outfit bei den letzten raves mithüpft. 

aber die tatsache, dass goetz brillant ist, weist ja darauf hin, dass vielleicht eine solche die eigene peinlichkeit billigend in kauf nehmende outsider-position die richtige ist, um die neuen medienkulturellen phänomene in den analytischen blick zu bekommen. weil ja nerdtum a priori bereits lächerlich ist, ist - doppelte negation - ein lächerlicher nerd zu sein vermutlich die einzige richtige haltung.

/ml