Geborgen
Hier die geglückte Bergung eines schönen Kommentars von p. praschl, von sofa.digitalien irgendwann aufgegebenen, im Google-Cache zwischen dem 7. und dem 9. 2. 2004 untergegangen, von Martin in letzter Sekunde aus den reißenden Wassermassen gezogen. (war: http://sofa.digitalien.org/sofablog/2001_04_22_sofablog_archiv.html)
die innenwelt der außenwelt der innenwelt habe ich mir übrigens auch erst vor
zwei wochen noch einmal kaufen müssen, irgendetwas in meinem gedächtnis wollte
es plötzlich dringend noch einmal lesen, man weiß ja nie, warum einen das aus
heiterem himmel anspringt wie schwangere der wunsch nach erdbeeren mitten im
winter. und als ich die japanische hitparade wieder sah, war ich trunken vor
erinnerungsglück. damals, als ich es zum erstenmal dringend haben musste, war
ich siebzehn, buchhandlung korb, ecke spittelwiese, landstraße, linz/donau,
handke war pop damals, so etwas wie oasis, glaube ich, man fühlte sich stark,
wenn man handkebücher hatte, und man sah mindestens im spiegel gleich viel
besser aus, und es war eine andere art pop als popliteratur heute, nicht dieser
scheiß, der tut, als würde man verstanden werden von einem buch, sondern
schroffer, überheblich, ein wenig jedenfalls, handke legte sofort eine distanz,
und wenn man ihn las, ging man auch in diese distanz, komisch, dass popliteratur
heute schulterklopfliteratur geworden ist, wir sind genauso armselig wie du,
sagen diese bücher alle, die als pop gelten, nur liebeskummer und klamotten im
kopf, und hey, du bist supi, du verachtest auch dieselben platten wie ich, wolle
petry zum beispiel (stuckrad-barre), und ich komm auch nicht klar mit den
mädchen (benny lebert). das ist, finde ich, ein armseliges konzept, so ganz
kümmerlich, man hat immer gleich mitleid. na ja. ging mir eben durch den
kopf. übrigens ist der beste handke-text (und ich würde mal behaupten: nicht nur
für mich, sondern eben "der beste") dieses kleine, bloß eineinhalb seiten lange
stück "die laternen auf der place vendòme" in "das ende des flanierens", ich
habe es sicher hundertmal gelesen und finde es noch immer, ach was soll das,
finden, so ein scheiß, es geht hier doch nicht darum, wie ich es finde, es ist
so vollkommen, man fasst es gar nicht, und wenn ich solche eineinhalb seiten
zustande brächte, würde ich gerne zehn jahre meines lebens hergeben dafür.# posted by praschl : 22.4.01
