There and Back Again
Hier kein Ausgang aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit!
Blog von Sebastian Lovens
Letzte Autorenberührung: 13.10.2007; 14:16:27 Uhr.

   

 Dienstag, 31. August 2004
Aus 80.000 grünen Pixel bestand die Indien-Landkarte in der indischen Version von Windows 95. Acht dieser grünen Pixel waren durch ein dunkleres Grün abgesetzt: die umstrittene Region Kaschmir an der Grenze zu Pakistan. Die Version des Betriebssystems wurde in Indien verbannt - die 200.000 beleidigenden Software-Versionen mussten vom Markt genommen werden, berichtete Tom Edwards, Leiter des geopolitischen Strategie-Teams bei Microsoft, auf dem International Geographical Union Congress in Glasgow. Mehrere Millionen Dollar kostete die Rückholaktion das Unternehmen, so Edwards.

Dieser diplomatische Fauxpas ist kein Einzelfall: Der Soundtrack eines Microsoft-Computerspiels enthielt gegrölte Koran-Strophen. Die saudi-arabische Regierung reagierte äußerst verschnupft auf das diffamierende Spiel.

Ein weiterer Fehltritt in der arabischen Welt folgte alsbald: In einem Computerspiel sollten die Spieler als muslimische Kämpfer Kirchen zu Moscheen umwandeln. Auch dieses Spiel wurde wieder vom Markt genommen.

Frauenfeindliches produzierte der Konzern dank eines Übersetzungsfehlers. In der spanischen Version von Windows XP wurde der Nutzer (und die Nutzerin) nach dem Geschlecht gefragt. Die Wahl bestand zwischen "no especificado" (nicht spezifiziert), "varon" (Mann) und "hembra" (Frau). Der peinliche Fehler unterlief Microsoft in einer Version, die in Südamerika vetrieben wurde. In einigen Ländern, wie Nicaragua, sei "hembra" jedoch ein Schimpfwort und bedeute Hure.

"Einige unserer Mitarbeiter, so schlau sie auch sein mögen, haben nur eine schwammige Vorstellung vom Rest der Welt", sagte Edwards. Microsoft hat aus den Vorfällen Konsequenzen gezogen. Die Mitarbeiter sollen nun in Kursen mit kulturellen Unterschieden und geographischen Grundkenntnissen vertraut gemacht werden.

(aus dem Spiegel, via E-Mail von Johannes)


Wie denn nun? Zahnersatz-Ersatz, statt der Kopf- eine Kieferpauschale, später gefolgt von Nasen-, Ohren- und Augenpauschale? Oder doch lieber die einkommensabhängige Beißerversicherung mit Putzbonus? Oder vielleicht besser die Reform ins Wartezimmer setzen - die Qual nach der Wahl?

Die SPD kommt bereits in der Wählergunst auf dem Zahnfleisch daher und beißt sich an Hartz IV fest. Da soll der Patient beim Kreuzchen machen über Doktor Schröder sagen können: "Er hat gar nicht gebohrt" - wenigstens im Jahr vor dem Urnengang. Gern verzichten viele Sozialdemokraten auf diese dental-dilettantische Therapie gegen Beitragsschmerzen - stammt das Rezept doch ursprünglich von der Union. Beim schwarz-rot-grünen Reform-Gerangel hatte Doktor Seehofer die geniale Idee einer solchen Lohnnebenkosten-Amputation.

Wurzelbehandlung durch Umverteilung zugunsten der Arbeitgeber. Der Schmidt-Schnitt, die scheinsoziale Darreichungsform, geht so: Ein Versicherter zahlt zusätzlich 0,4 Prozent vom Lohn für Zahnersatz und erhält im Tausch 0,2 Prozent Beitragssenkung. Bei diesem Geschäft kassiert der Arbeitgeber den Rest im Tausch gegen die vage Hoffnung auf ein paar Jobs. Daher: Die bürokratieanfällige Zusatzversicherung bitte rasch ausspülen - (zahn-)ersatzlos!

(Roland Bunzenthal in der FR, gehört in der DLF-Presseschau)


© 2007 Sebastian Lovens.